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„Ja freile“ Herr Spörer: Ein Gespräch mit Dr. Thomas Spörer. Aktives Mitglied des IBBMe.V.  

  Thomas Spörer

Den ersten Kontakt mit Dr. Thomas Spörer hatte ich vor einigen Jahren am Telefon. Es war inhaltlich ein sehr ernstes Gespräch, aber sein unverwechselbarer stuttgarter Dialekt oder war es seine Art zu kommunizieren entspannten mich völlig. Nur fünf Minuten und es war als würden wir uns schon Jahre kennen.

 

Susanne Schmid:

Grüß Dich Thomas. Ich freu mich auf unser Gespräch, denn ich habe ein paar Fragen, die mir so richtig unter den Nägeln brennen. Deine Spezialität ist Verhandeln. Du bist aber kein Vertriebler, sondern Diplompsychologe. Jetzt haben die meisten Menschen sicher im Hinterkopf, dass ein Psychologe doch Therapien macht und beim Verhandeln denken sie an Verkauf.

 

Wie passt Psychologe sein und Verhandeln zusammen? Was machst Du beruflich nun eigentlich genau?

 

Dr. Thomas Spörer:

Psychologie und Verhandeln haben beide mit menschlichem Verhalten zu tun und mit der Art, sich darüber auszutauschen. Verhandeln ist verbaler Ausdruck einer zugrunde liegenden Beziehung.

Daher gilt: Keine Beziehung ohne Verhandlungen und keine Verhandlungen ohne Beziehungen. Diesem Gedanken ist immer voran gestellt, was ich von der anderen Partei will und was ich im Gegenzug bereit bin, dafür zu geben.

In diesem Zusammenhang sollen Verhandlungen zwischenmenschliche Kontakte formen und Interessen ausgleichen. Darin liegt übrigens auch der wichtige Unterschied zwischen Verhandeln und Verkaufen.

Ich selber sorge beruflich dafür, dass z.B. Streitparteien einen interessensbezogenen Umgang zueinander finden, ohne deshalb die Gerichte anzurufen.

 

Susanne Schmid:

Du bist kein Gründungsmitglied des IBBM e.V., aber ein sehr aktives.

 

Was hat Dich bewogen beim IBBM Mitglied zu werden? Was macht unsere Gemeinschaft für Dich so besonders?

 

Dr. Thomas Spörer:

Die IBBM – Mitgliedschaft erlaubt mir, eigenständig beruflich tätig zu sein und trotzdem nicht als „Solokünstler” auftreten zu müssen. Dazuhin schafft der Bildungsbezug des Vereins eine Möglichkeit, ein separates Geschäftsfeld zu schaffen, welches eine hohe formale Anerkennung genießt und gleichzeitig auch den Zugang zu div. Fördermöglichkeiten schafft. Beides halte ich für einen großen Gewinn.

 

Susanne Schmid:

Du hast durch Ausbildung und Berufserfahrung gelernt sehr sicher mit Worten umzugehen. Und Du gehörst zu den Schwaben, die ihren Dialekt nicht verstecken, was ich als Schwäbin übrigens besonders sympathisch finde.

 

Fehlen aber auch Dir manchmal die Worte? Wie findest Du sie wieder? Wie schaffst Du es mit Dir selbst gut zu verhandeln?

 

Dr. Thomas Spörer:

Der schwäbische Dialekt gehört zu mir. Ihn zu verwenden, hat aus meiner Sicht etwas mit Authentizität zu tun. Und Authentizität und Glaubwürdigkeit gehören für mich sehr eng zusammen. Und wenn der schwäbische Akzent zusätzlich für einen Lacher sorgt beim Endverbraucher, ist mir das bloß recht.

Verlorene Worte wieder zu finden gelingt mir oftmals besser als verlorene Gedanken wieder zu finden, worunter ich deutlich mehr leide, denn ich halte nichts von der Idee, die da lautet: ich habe nichts gesagt, das aber mit schönen Worten.

Verhandlungen mit mir selbst führe ich deshalb gerne, weil ich immer weiß wer dabei der Sieger sein wird.

 

Susanne Schmid:

Das klingt echt gut. Heißt das, Du hast Dir gegenüber immer Recht oder Du gibst Dir immer Recht? Bei der Frage muss ich jetzt selber schmunzeln.

 

Genau genommen interessiert es mich noch genauer zu erfahren, was Dich dazu bewogen hat diesen Berufsweg einzuschlagen:

 

Dr. Thomas Spörer:

Wie so oft im Leben hat auch hier der Zufall bei mir eine große Rolle gespielt. Ich bin anlässlich eines USA-Aufenthalts nach meinem Studium eingeladen worden, beim „ Harvard Negotiation Project“ in Cambrigde als Research Associate mitzuwirken. Damals gegen Anfang der 80er Jahre waren die Strukturen dafür noch nicht festgeklopft. Daraus ist heute eine regelrechte Kommunikations – und Verhandlungsindustrie geworden, wie man sie sich hierzulande nur schlecht vorstellen kann.

Wenn man so will habe ich diesen Berufsweg nicht eingeschlagen, sondern bin eher über ihn gestolpert. Die Chance, in Deutschland bei der Einrichtung des ersten Täter – Opfer – Ausgleichsprojekts als bundesgefördertes Projekt mitzuwirken, hatte eine n ähnlichen Werdegang. Das scheint aber für Bildung ganz allgemein zu gelten: Impulse setzen – Wirkung erzeugen- weiterentwickeln – umsetzen. So würde ich menschliche Entwicklung generell charakterisieren, besonders im Bildungsbereich.

 

Susanne Schmid:

Habe ich das richtig verstanden: Verhandeln und Beziehung gehören absolut zusammen. Dabei ist nicht relevant, ob es sich um eine private Beziehung oder Geschäftsbeziehung handelt. Und ich freue mich, dass Du auch zu den Menschen gehörst, für die Dialekt keine Strafe ist, sondern schlicht dich als Menschen zeigt.
Der IBBM e.V. ist für Dich eine Plattform, die auch die auch die Möglichkeit des Bildungsangebots möglich macht. Es stimmt, der IBBM hat sich auch die Bildung ganz groß auf die Fahne geschrieben.
Aber jetzt will ich es schon noch einmal genau wissen. Verhandeln, Beziehung, Bildung, alles wichtig für jeden Menschen ein ganzes Leben lang. Aber für wen bist Du denn nun der richtige Verhandlungspartner, wen bildest Du?

 

Oder anders gefragt, wer kann sich an Dich wenden mit welchen Themen? Du weißt ja, für Interessierte ist das stets so eine Sache, wie finde ich den für mich und mein Thema passenden Coach!?

 

Dr. Thomas Spörer:

 

Bezüglich der Frage, wer sich an mich wenden kann in meiner Eigenschaft als Verhandler kann ich sagen, dass alle die geschäftlich, privat oder alles dazwischen sich mit einem wichtigen Thema an die „ andere Seite“ wenden müssen und Verständigung suchen, bei mir stets richtig sind, wenn es um Begleitung, Beratung oder Übernahme von Verhandlungen als Stellvertretung handelt. Auch nonjuristische Konfliktlösung fällt in diese Kategorie.

Als Coach in diesem Feld stehe ich all jenen zur Verfügung, die eine entsprechende Ausbildung als Mediatoren oder Verhandler anstreben.

Denjenigen, die als Betroffene in irgendeiner Situation, bzw. als „AZUBIS“ nach der richtigen Person suchen, lasse ich immer einen 1ß Punkte-Katalog zukommen, der auf wünschenswerte Eigenschaften des Verhandlers/Vermittlers abhebt und den Interessenten dennoch die freie Wahl lässt.

 

Susanne Schmid:

Wenn also jemand Unterstützung braucht beim Verhandeln in Beziehungen geschäftlich und/oder privat, der ist bei Dir goldrichtig. Thomas ich sage Dir ganz herzlich Danke für das interessante, informative und auch humorvolle Gespräch!

 

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